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  • 1– Während der Dreharbeiten zu Laura Mulvey und Peter Wollens „Riddles of the Sphinx“, 1977

Art at the Frontier of Film Theory:
Laura Mulvey and Peter Wollen

19.09–20.12.20

Laura Mulvey und Peter Wollen sind in erster Linie als Filmtheoretiker und Filmemacher bekannt. Als Autoren haben sie mit „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ (Mulvey) und „The Two Avant-Gardes“ (Wollen, beide 1975) sehr einflussreiche Beiträge zur Filmtheorie geleistet. Zwischen 1974 und 1983 drehten die beiden zusammen sechs Filme, in denen sie nach kinematischen Formen suchten, die dominante Blick-, Bedeutungs- und Erzählsprachen erforschten und konterkarierten und die den Zuschauer in eine konzeptuelle Debatte verwickeln konnten. Neben dem Schreiben und Filmemachen verbinden ihre Arbeiten Semiotik, Feminismus, Psychoanalyse sowie Geschichten und Theorien der Avantgarde. Diese Aspekte werden zwar in unterschiedlicher Weise behandelt und überarbeitet, setzen sich aber in den Projekten fort, die sie seit Mitte der 80-er Jahre unabhängig voneinander durchgeführt haben.

Die Ausstellung eröffnet neue Wege zum Verständnis dieses Werkes, indem sie Mulveys und Wollens Werk durch das Prisma der Kunst betrachtet. Ihre Auseinandersetzung mit Kunst und Künstlern war schon immer ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit, wie ihre zahlreichen Dokumentationen und ‚Theoriefilme‘ über oder mit Künstlern, ihre kritischen Schriften, ihre Lehrtätigkeit, ihr Kuratieren, ihre Produktion von Kunstwerken und ihre Rolle als wichtige Ansprechpartner für Künstler belegen.

„Art at the Frontier of Film Theory“ präsentiert Bewegtbildarbeiten, Tonaufnahmen, Zeichnungen, Diagramme, Fotografien und Archivmaterial, um die Schnittstellen von zwei transdisziplinären, sich überschneidenden Praktiken abzubilden. Es umfasst Kollaborationen, Gespräche und Interaktionen mit Künstlern von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart sowie Arbeiten anderer Künstler, die im expliziten oder impliziten Dialog mit dem Werk von Mulvey und Wollen stehen.

Laura Mulvey (geb. 1941 in Oxford) ist Professorin für Film- und Medienwissenschaften am Birkbeck College der Universität London. Von 2012 bis 2015 war sie Direktorin des Birkbeck Institute for the Moving Image (BIMI). Sie ist Autorin von „Visual and Other Pleasures“ (1989. Dt.: Visuelle Lust und narratives Kino, 1994); „Citizen Kane“ (1992); „Fetishism and Curiosity“ (1996); „Death 24x a Second: Stillness and the Moving Image“ (2006); und „Afterimages: On Cinema, Women and Changing Times“ (2019). Sie ist Mitherausgeberin von „British Experimental Television“ (2007); „Feminisms“ (2015); und „Other Cinemas: Politics, Culture and British Experimental Film in the 1970s“ (2017). Mulvey drehte sechs Filme in Zusammenarbeit mit Peter Wollen, darunter „Riddles of the Sphinx“ (1977), und zwei Filme mit dem Künstler und Filmemacher Mark Lewis.

Peter Wollen (geboren 1938 in London, gestorben 2019) war ein radikaler Filmemacher, Filmtheoretiker und Drehbuchautor, dessen entscheidendes Buch „Signs and Meaning in the Cinema“ (1969) weiterhin herausfordert und provoziert. Zu seinen weiteren Büchern gehören „Readings and Writings: Semiotic Counter-Strategies“ (1982), die alternative Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts „Raiding the Icebox“ (1993), „Paris/Hollywood: Writings on Film“ (2002), und „Paris/Manhattan: Writings on Art“ (2004), alle erschienen bei Verso, sowie ein BFI-Klassiker über „Singin‘ in the Rain“ (1992). Er unterrichtete Film an verschiedenen Universitäten und war emeritierter Professor an der University of California, Los Angeles. Wollen schrieb das Drehbuch zu Michelangelo Antonionis „The Passenger“ (1975. Dt.: Beruf: Reporter) mit und arbeitete anschließend außerhalb des Mainstream-Kinos, indem er an sechs Filmen mit Laura Mulvey zusammenarbeitete. Zu seinen weitreichenden Interessen gehörte die Organisation von Kunstausstellungen mit paradigmenwechselnden Inhalten, wie „Frida Kahlo and Tina Modotti“ (mit Laura Mulvey, 1982) und „On the Passage of a Few People Through a Rather Short Moment in Time: The Situationist International“ (1989).

Oliver Fuke (geboren 1987 in London) ist ein unabhängiger Forscher. Seine Projekte umfassen: „Laura Mulvey und Peter Wollen: Beyond the Scorched Earth of Counter-Cinema“ (Whitechapel Gallery, London; HOME, Manchester und NYU, New York, 2016) und „Yvonne Rainer: The Choreography of Film“ (Siobhan Davies Dance, London, 2018). Fuke arbeitet derzeit an einem Buch, „The Films of Laura Mulvey and Peter Wollen: Scripts, Working Documents, Interpretation“, und an einer Retrospektive der fotografischen und xerografischen Arbeiten von Hollis Frampton, die im Goldsmiths CCA präsentiert wird. Er hat auch viele Ausstellungen und Projekte mit Künstlern entwickelt.

Nicolas Helm-Grovas (geboren 1988 in Vigo) ist Dozent für Filmwissenschaftliche Ausbildung am King’s College London. Er promovierte 2018 über die Filme und Schriften von Laura Mulvey und Peter Wollen am Royal Holloway, University of London. Zuvor unterrichtete er in der Abteilung Medienkunst am Royal Holloway, in der Abteilung Filmproduktion an der Arts University Bournemouth und in der Abteilung Bildende Kunst an der Oxford Brookes University. Er hat über Themen wie Semiotik und die Geschichte der britischen Zeitschrift Afterimage publiziert und Texte mit oder über Künstler wie Rachel Adams, Maeve Brennan und Imran Perretta (als Jerwood Arts Writer in Residence, 2018) geschrieben. In jüngster Zeit wurde unter anderem ein Text für Cypher Billboard geschrieben.

Gemeinsam kuratierten sie “Art at the Frontier of Film Theory: Laura Mulvey and Peter Wollen“ in der Peltz Galerie, Birkbeck, Universität London, im Jahr 2019. Die GAK zeigt in Bremen eine erweiterte Fassung dieser Ausstellung.

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19.09–20.12.20

Kuratiert von Oliver Fuke und Nicolas Helm-Grovas in Zusammenarbeit mit Regina Barunke

Veranstaltungen

Fr 18.09.20, 19 Uhr
Eröffnung

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