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Gerald Domenig:
Melodrom

09.03, 11 Uhr

Aus einem Apfel ein Bild zu machen, ist gleichzeitig leicht und schwer. Dafür, daß es leicht ist, spricht seine runde Form. Ein Bild ist ja um so mehr ein Bild, je mehr man gefangen ist, im Kreis gehen muß, sich in der Betrachtung wiederholt, ohne sich zu wiederholen. Der Apfel ist als Apfel schon ein Bild, ja erstaunlicherweise ist er als Apfel oft mehr Bild denn als Bildapfel. Wenn ich einen Apfel betrachte, begutachte ich ihn. Seine Umgebung ignoriere ich weitgehend. Ich habe gelernt, einen Apfel in die Hand zu nehmen, auf Faulstellen, Wurmigkeit, Frische und Schönheitsmale zu überprüfen, liegen zu lassen, wo er sich gerade befindet oder dorthin zu bringen, wo er besser und schöner ist. Nehmen wir an, ich halte einen Apfel in der Hand und begutachte ihn. Ich begutachte ihn auf jeden Fall, ob ich ihn nun essen oder fotografieren will. Ich mache mir ein Bild von ihm, das fast gänzlich das Bild seiner äußeren Erscheinung ist. Meine Hand sehe ich gar nicht, ich sehe nur die von der Umgebung abstrahierte kugelähnliche Gestalt. Im Bild, im konkreten Bild wird die Umgebung, die fotografische Behandlung der Umgebung um so wichtiger. Wo bricht die Schärfe ab oder wo liegt sie überhaupt, betont das Licht den Körper oder arbeitet es ihm entgegen, ist der rote Hintergrund in der Lage, sich in den Vordergrund zu drängen? (G.D., Nivea und Nivea, 2008)

Gerald Domenig (geb. 1953 in Villach, Österreich), studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und der Städelschule in Frankfurt, wo er die Fotografie in den 1970er Jahren als Unterrichtsfach hoffähig machte. 1984 war er in der Gruppenausstellung „Von hier aus“ in Düsseldorf vertreten, 1988 stellte er im Frankfurter Portikus aus, 2008 im Museum Ludwig in Köln und 2016 in der Sezession in Wien – eine kleine Auswahl von herausragenden Einzelpräsentationen. Parallel erschienen Foto-Text Bücher. / Kasper König, geboren 1943 in Mettingen, ist Kunstprofessor und Kurator. Von 2000-2012 war er Direktor des Museum Ludwig in Köln. 2014 organisierte er als Chefkurator die Manifesta 10 in St. Petersburg. 1977 initiierte er gemeinsam mit Klaus Bußmann die „Skulptur Projekte Münster“ und ist seitdem ihr Künstlerischer Leiter. 1988 wurde er Professor an der Städelschule Frankfurt, die er ab 1989 als Rektor leitete. Zeitgleich war er Gründungsdirektor der Ausstellungshalle Portikus: 1988 lud er Domenig und Franz West zu einer Doppelausstellung ein.

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Sa 09 Mrz 2019, 11 Uhr

Diavortrag und anschließendes Gespräch mit Gerald Domenig und Kasper König zur Ausstellung Straub/Huillet/Cézanne. Seelen malt man nicht

 

Abbildung

1– Gerald Domenig: Ohne Titel, ca. 2003. Courtesy der Künstler, Frankfurt am Main

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