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  • Ian Waelder, 2026

Ian Waelder
Zungen
im Rahmen der Ausstellungsreihe for fear of continuity problems

31.01.–15.03.2026

Die Ausstellung Zungen von Ian Waelder ist die dritte in der Ausstellungsreihe for fear of continuity problems, die sich in einem Teilbereich der GAK sowie den Posterrahmen im Außenraum mit Erinnerung und Gedächtnis auseinandersetzt.

Ein Kind steht über die Jahre hinweg immer wieder vor dem heimischen Bücherregal – so begann ein Gespräch, das Waelders Ausstellung vorausging. Noch sehr klein hatte es nur zu den unteren Büchern Zugang. Je größer das Kind wurde, desto mehr Regale und desto verschiedenere Bücher konnte es erreichen. Vor einem Bücherregal reckt man sich regelmäßig nach oben oder beugt sich nach unten, um die Reichweite zu erhöhen. Wissen und Erinnerung haben ebenfalls mit Reichweite zu tun, in Bezug auf Körper und Sprache. Und beide sind miteinander verschränkt.

In Ian Waelders Ausstellung befindet sich ein Raum mit niedriger Deckenhöhe, eine Art Kiste, die man betreten darf. Ist man zu groß, um aufrecht hineinzugehen, muss man sich bücken, um die Fotografien in ihrem Inneren zu betrachten. Sie zeigen wiederholt eine Pflanze, deren Wachstum sie über die Jahre dokumentieren. Die Zeitlichkeit, die sie einfangen und aufrufen, ist auf intime Weise mit dem Künstler selbst verknüpft. Seine Mutter hatte die Pflanze am Tag seiner Geburt geschenkt bekommen. Seither wächst sie mit ihm mit.

Momente der Wiederholung, die auch bei den Werken für den Außenraum eine Rolle spielen, kommen in Waelders Arbeiten häufig vor. Scheinbar zufälligen Objekten oder Bildern, die er gefunden hat oder die ihm geschenkt wurden, verleihen sie eine Kontinuität, die ihre Bedeutung ausdehnt. Teil dieser Wiederholung ist ein Insistieren, das zu erfassen sucht, was anwesend aber auch versteckt ist. An der Wand im Außenraum, auf der normalerweise dreizehn Posterrahmen hängen, ragt eine Serie von Skulpturen in den Weg der Vorbeigehenden. Sie basieren auf einem Schuhleisten, der kontinuierlich in Waelders Arbeiten auftaucht. Wie der Aschenbecher neben dem Eingang der GAK bieten sich diese Objekte als Behältnis für etwas an, das aufbewahrt oder weggesteckt wird, und schaffen Raum für leicht unbewussten und alltäglichen Kontakt. 

Erinnerung ist zentral in der Arbeit von Ian Waelder. Er verwebt auf komplexe Weise Objekte, Bilder und Räume zu Trägern von Erinnerungen und Haltungen. Seine Modifikationen von Räumen, die Ecken, um die man biegt, die Skulpturen, Bilder und Klänge, denen man begegnet, sie alle sind Behältnisse für ein Wissen, das nicht vollständig zugänglich ist. Sie sind aber auch eine Einladung, Verbindungen herzustellen zu einer persönlichen Geschichte, die wiederum verknüpft ist mit einer darüberhinausgehenden Geschichte.
Der Titel Zungen bezieht sich vielleicht auf diesen vor-sprachlichen Moment einer “Es-liegt-mir-auf-der-Zunge-Erfahrung”, in der bewusste Erinnerung scheitert. Ein Wort, das man kennt, ist beinahe dabei herauszukommen, kann aber nicht ausgesprochen oder erreicht werden, es entsteht ein Sprung in der Zeit. Man sagt, dieses Phänomen ist mit Gefühlen verbunden und je stärker diese sind, um so schwieriger ist es, die Erinnerung an das Wort zu finden.

Ian Waelder (* 1993) schloss 2023 sein Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main ab, wo er als Meisterschüler bei Prof. Haegue Yang studierte. Derzeit ist er Stipendiat der Laurenz-Haus-Stiftung in Basel (2025/26). Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen unter anderem die Kestner Gesellschaft (Hannover, 2025), carlier | gebauer (Berlin, 2025) und Es Baluard Museu d’Art Contemporani (Palma, 2023–24). Gruppenausstellungen fanden unter anderem in Institutionen und Galerien wie der Kunsthalle Wien (Wien), der ifa Galerie (Berlin), nsdoku (München), Petrine (Paris), der Fundació Antoni Tàpies (Barcelona), der Delfina Foundation (London), Francis Irv (New York), dem Nassauischen Kunstverein (Wiesbaden) und La Casa Encendida (Madrid) statt.
Er war Artist-in-Residence am WIELS – Center for Contemporary Art (Brüssel, 2024) und erhielt Stipendien, darunter das basis Hessisches Atelier Programm (2025–29), das DZ BANK Kunststiftung Förderstipendium (2023–24) und den Städelschule Portikus e.V. Graduation Prize (2023).

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31.01.–15.03.2026

Eröffnung: 31.01. 19:00

 

Die Reihe for fear of continuity problems ist die Einladung zu einem Ping-Pong-Spiel mit dem kleinen Buchladen der GAK und der Frage, wie sich Erinnerung, Perspektiven, Narrationen, Identitäten und Unbewusstes verräumlichen und öffentlich verhandeln lassen. Julia Horstmann hat für das gemeinsam konzipierte Projekt ein neues Bücherregal entworfen, das angelehnt ist an die Idee vom Gedächtnispalast, einer Methode der Erinnerung anhand von Räumen und Artefakten.

 

Gefördert durch

Der Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, Liebelt Stiftung Hamburg, Waldemar Koch Stiftung, Sparkasse Bremen

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