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  • Photo credit: Rosy Warren; courtesy the artist and Chateau Shatto

C.B. Evans
Ad Hoc Order
im Rahmen der Ausstellungsreihe for fear of continuity problems

23.05.–05.07.2026

Am 20. November 2099 geht in MEMORY! (2025) eine Erinnerung verloren. C.B. Evans‘ Videoarbeiten und Skulpturen, die hier im Kontext unserer Ausstellungsreihe for fear of continuity problems gezeigt werden, richten sich gegen den Schutt, den Abfall und die Toxizität, die durch die systematische Zerstörung der Zukunft entstehen.

Häufig nutzt C.B. Evans (belgisch-amerikanische Künstler:in, leben und arbeiten in Saint Denis, Frankreich) die Form der Videoinstallation, um Umgebungen in einer imaginierten Welt zu schaffen. Die Kunstwerke, aus denen diese Umgebungen bestehen, greifen technologische, politische und soziale Bedingungen der Gegenwart auf, um ihre zukünftigen Auswirkungen zu untersuchen und neu zu gestalten. Diesen oftmals vermeintlich abstrakten Konstellationen gibt Evans‘ in ihren Arbeiten eine emotionale Dimension.

Zum Ausgangspunkt der Ausstellung Ad Hoc Order werden die zwei Videoarbeiten MEMORY! (2025) und RECEPTION! (2024) – Charakterstudien einer Protagonistin und ihrer Doppelgängerin, eine Erinnerung, die ihren Körper verlassen hat. Beide leben in einer Welt, in der eine ökologische Krise zu einem Speicherplatzmangel führte und woraufhin die Bevölkerung einen Großteil ihrer persönlichen Daten verloren hat. Erstmals wurden die aufeinander reagierenden Arbeiten 2025 auf der Sharjah Biennale gezeigt, zusammen mit der Werkreihe Ad Hoc Order: Ein scheinbar aufgerissenes skulpturales Modell, das den Plenarsaal der Vereinten Nationen in New York neu imaginiert und das auf den Trümmern der zerstörten Stadt erbaut wurde. Während MEMORY! diese Umgebung aufgreift, spielt RECEPTION! in einem anderen Raum – dem ehemaligen Europäischen Parlament, welches zu einem „Globalen Archiv für Erinnerungsmanagement und -archäologie“ (Global Archive for Memory Management and Archaeology GAMMA) umgenutzt wurde. Die Arbeiten zeigen einzelne Charaktere, die, verwoben mit computergenerierten, gefundenen und festgehaltenen Bildern, auf Übersetzungsprozesse des kollektiven Gedächtnisses und kollektiver Verantwortung aufbauen. Beide fragen danach, wie und ob Erinnerung überleben sollte, angesichts der „Speicherkrise“, die wir – ausgelöst durch die Verschwendung unserer dysfunktionalen Gesellschaft – an künftigen Generationen vererben werden.

Ausgehend von dieser Vorstellung, dass Abfall sowohl eine allgegenwärtige Realität als auch ein Ad-hoc-Material für zukünftige Gesellschaften ist, begab sich Evans‘ in Vorbereitung auf die Ausstellung auf die Suche nach entmilitarisiertem Rüstungsabfall. Das gesammelte Metall stammt von EST Energetics, einer Abfallentsorgungsanlage, die den Müll einer boomenden europäischen Industrie neutralisiert und für einen neuen Lebenszyklus aufbereitet (während Tonnen von Rüstungsabfällen mit ihren physisch und psychisch giftigen Chemikalien in den Böden und Gewässern dieser Welt verbleiben). Dieser Recyclingprozess ist selbst Teil einer industrialisierten Kriegswirtschaft, die Wert aus Zerstörung schöpft.

Vor diesem Hintergrund ist wichtig zu erwähnen: Das aus der Lieferkette entnommene Material wurde von der Künstler:in persönlich und ohne jegliche finanzielle Gegenleistung gesammelt.

Aus der Umwandlung des Metallabfalls sind kleine Alltagsgegenstände entstanden, die nun in den Posterrahmen der GAK zu sehen sind. Wie auch in der ursprünglichen Ad Hoc Order Reihe, wird jedes Objekt von einem Titel begleitet, der als spöttische Drohung gegenüber einer bestehenden Ordnung gelesen werden kann und andeutet, dass die Überreste der automatisch erzeugten Krisen in nützliche Werkzeuge verwandelt werden, um die alte Ordnung zu überwinden und in eine neue überzugehen.

Ergänzt werden die Objekte von Plakaten, die ursprünglich für das Fundraisingprojekt Love is Resistance entworfen wurden, auf denen der Satz des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish an seinen kurz zuvor verstorbenen Freund Edward Said zu lesen ist: „I urge you to cling to the impossible!“ – Ich fordere dich auf, am Unmöglichen festzuhalten!

C.B. Evans Ausstellung Ad Hoc Order ist die fünfte in unserer Reihe for fear of continuity problems, die sich in einem Teilbereich der GAK sowie den Posterrahmen im Außenraum mit Erinnerung und Gedächtnis auseinandersetzt.

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23.05.–05.07.2026

Eröffnung: 22.5. 19:00

Die Reihe for fear of continuity problems ist die Einladung zu einem Ping-Pong-Spiel mit dem kleinen Buchladen der GAK und der Frage, wie sich Erinnerung, Perspektiven, Narrationen, Identitäten und Unbewusstes verräumlichen und öffentlich verhandeln lassen. Julia Horstmann hat für das gemeinsam konzipierte Projekt ein neues Bücherregal entworfen, das angelehnt ist an die Idee vom Gedächtnispalast, einer Methode der Erinnerung anhand von Räumen und Artefakten.

Gefördert durch

Der Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, Liebelt Stiftung Hamburg, Waldemar Koch Stiftung, Sparkasse Bremen

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