Die Gruppenausstellung Produced on the Skin setzt sich mit den Schnittstellen und Grenzbereichen auseinander, die uns umgeben und uns ausmachen. Über die Haut, den Sehsinn, Berührungen und die Struktur unseres Gehirns, über technische Apparate, Kleidung und Architektur vermitteln unterschiedliche Arten von Membranen zwischen Individuen und ihrer Umgebung. Sie verarbeiten und reagieren auf Eindrücke. Sie prägen, wie wir uns verhalten, was hineindarf und was wir lieber nicht an uns ranlassen, wovor wir uns schützen und womit wir aktiv umgehen und was wir nach außen tragen wollen. Der Begriff des Prägens ist dabei mitunter auch ganz plastisch zu verstehen: Einflüsse verändern Körper, Gehirne und Haltungen.
Künstlerisches Arbeiten begreifen wir in der Ausstellung als Membran, die die Beziehung zwischen selbst und Umgebung, zwischen Sprache und Material filtert. Die künstlerischen Arbeitsweisen in der Ausstellung, die Malerei, Skulptur und zu aktivierende Rauminstallationen umfassen, verhandeln materielle sowie immaterielle Grenzen und reflektieren, was aufgenommen wird und in welcher Form es wieder ausgegeben wird. Sie thematisieren Fragen von Verkrustung und Durchlässigkeit, Rückzug und Verflüssigung, Nähe und Distanz.
Die großformatigen Malereien von Alex Hojenski entstehen in der Regel liegend und auf funktionalen Textilien aus Malerei fernen Kontexten. Durch das Mischen und Auflegen verschiedener Materialien und das Verteilen unterschiedlich eingefärbten Wassers bilden sich in einem langwierigen Trocknungsprozess teils fotogrammartige, teils abstrakte Formen. Das Abwarten des Ergebnisses des Prozesses ebenso wie die Auseinandersetzung mit der Anti-Form sind hierbei wesentlich. Welche Formen in Hojenskis Malereiprozess entstehen, ist beeinflusst von den Materialien und ob diese Flüssigkeiten aufnehmen oder ablehnen, wie sie aufeinander reagieren und von den Durchlässigkeiten der jeweiligen Stoffe. Hojenski thematisiert bewusst Chaos und Dreck und die Frage, weshalb diese oft als beunruhigend dargestellt werden und zugunsten eines vermeintlich stabilen Zustands beseitigt werden sollen.
Beth Collar, deren künstlerische Praxis Skulptur, Zeichnung, Video und Performance umfasst, hat aus Ton geformte, verhüllte Figuren geschaffen. Geschnitzt und modelliert, schweben diese zwischen Hohlraum und Hülle, unterschiedliche Haltungen sowie mögliche Erzählstränge erzeugend. Der gemeinsame Titel der Werke – „Misericordia“ – verweist auf Vorstellungen von Schutz wie auch von Tugend. Jede der Figuren jedoch verfolgt einen anderen Aspekt, löst ihn auf und wandelt ihn um, so dass ihre Ausgangspunkte – die von mittelalterlicher Skulptur bis hin zur Darstellung eines traurigen, einsamen Dinosauriers reichen – zu einer spezifischen Form verschmelzen. Innerhalb jeder einzelnen Skulptur zieht Collar unbestimmte Verbindungslinien zwischen deren Innen- und Außenraum, ihrer Auflösung und Formwerdung sowie zum:zur Betrachter:in. Die vier Miniaturskulpturen, die an Modellentwürfe erinnern, hat Collar angehoben, sodass sie ihr betrachtendes Gegenüber anstarren, sich ihm entziehen oder vor ihm zurückschrecken können.
Der Workshop Umhaut von Harm Coordes und Luisa Recker lädt dazu ein, über das Erstellen von Kleidung, bzw. Outfits in Kontakt mit sich und der urbanen Umgebung zu treten. Hierfür haben die Modedesigner:innen einen Korridor aus zwei Vorhängen geschaffen. Aus diesem schneiden sich die Teilnehmer:innen des Workshops ihre Materialien aus. Das entstandene Loch schließen sie mit einem anderen Stoff, so dass nach und nach ein Patchwork aus verschiedenen Bedürfnissen und Vorlieben entsteht. Seiner Form nach lässt der Korridor selbst an Bruce Naumans Performance Korridor aus dem Jahr 1970 denken und die auch von Nauman aufgeworfene Frage nach dem Verhältnis von Körper, Haltung und Umgebung.
Jashua Bustos Chumasero ist mit seinem Reading-Session-Format We speak because we listen (Wir sprechen, weil wir zuhören) zu Gast, das das Ohr als Membran anspricht. Chumasero lädt im Rahmen von kurzfristigen Veranstaltungen Künstler:innen ein, eigene und / oder fremde poetische zu Texte lesen, und bettet diese in ein akustisches Setting ein. Durch verschiedene Lese- und Performancetechniken und die musikalische Begleitung schlagen die Reading Sessions unterschiedliche Formen zuzuhören, nachhallen zu lassen, zu verarbeiten und zu fokussieren vor. Die eingeladenen Künstler:innen und die von ihnen mitgebrachten Worte thematisieren ihrerseits auf je individuelle Weise das Thema der Membran oder der Grenze und Grenzziehungen.
Veranstaltungen
Fr, 22.05., 19:00
Eröffnung
Sa, 30.05., 20:00 & 22:00
We speak because we listen – akustische Lesung mit Julija Paškevičiūtė und Hodan-Ali Fahrah
im Rahmen von Lange Nacht der Museen Bremen
02.–25.06.
Workshop Umhaut
mit Modedesigner:innen Harm Coordes & Luisa Recker
Do, 04.06., 18:00
Ausstellungsrundgang
Do, 25.06. 20:30 Uhr
Modenschau Umhaut
im Rahmen von Three’s a party, gemeinsames Sommerfest von GAK, Künstler:innenhaus & Museum Weserburg
Do, 30.07. 19:00
We speak because we listen
Do, 06.08., 18:00
Ausstellungsrundgang
Förderung
Der Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, VGH Stiftung, Sparkasse Bremen