If words are to be sounded ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von CAP • Saint-Fons, GAK Bremen und Le 19, Crac, Montbéliard, das Sprache als performatives Medium des Imaginären untersucht.
Das Projekt ist durch einen engen Austausch zwischen unseren drei französisch-deutschen Institutionen entstanden, der 2024, angeregt durch unser gemeinsames Interesse an den vielfältigen Formen und Zirkulationen des Begriffs „Wert“, begonnen hat. Unser Austausch fand statt vor dem Hintergrund des zunehmenden und sich verstärkenden Drucks sowie der Spaltungen, in die Sprachen gezwungen werden und die unser Verhältnis zu Worten – seien es vergangene oder gegenwärtige – ständig infrage stellten.
Die Ausstellung If words are to be sounded ist das Ergebnis dieser deutsch-französischen Zusammenarbeit. Ihr Ausgangspunkt war die kollektive Auseinandersetzung mit dem poetischen und eklektischen Werk von Theresa Hak Kyung Cha (1951–1982). Wir präsentieren entsprechend eine kleine Auswahl an Video und Audio, Bilderserien und Textcollagen, in denen Cha mittels einer ständigen Verflechtung von Wörtern, unterschiedlichen Sprachen, Zeichensetzung und Klängen durch Erinnerung und Verlust navigiert und die wir als Einladung und Szenografie für die Arbeiten von Pierre Allain, Claire Fontaine, Shadi Harouni und Mira M. Yang verstehen. Die in der Ausstellung versammelten Arbeiten, die von Fragen zu Erinnerung, Grenzen, Widerstand, Verletzlichkeit und Weitergabe durchdrungen sind, widmen sich dem Wert und den Werten von Worten und erkunden die Möglichkeit einer Neudefinition von Beziehungen.
Mit einem ausgeprägten Bewusstsein für gesellschaftliche Wandlungsprozesse sowie der für ihr Werk charakteristischen Ironie präsentiert die Kollektivkünstlerin Claire Fontaine (gegr. 2004) Werke aus ihrer brickbat-Serie und Neonarbeiten, die Werte und Wertschöpfungsprozesse sowie deren fehlende gemeinsame Grundlage aufgreifen. Eine Form der Unmitteilbarkeit, die Verletzlichkeit von Körpern, aber auch Wahrnehmung und Zuhören in Zuständen der Veränderung oder Bewusstlosigkeit stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung von Pierre Allain (*1998). Die Werke von Shadi Harouni (*1985) erforschen die politischen und poetischen Dimensionen von Sprache, wobei ein besonderes Augenmerk auf dem Kurdischen liegt – einer Sprache, die von Unterdrückung, Exil und Diaspora geprägt ist. In einer Videoarbeit und neuen Textilarbeiten setzt sich die Künstlerin mit den Verbindungen zwischen Sprache, Territorium und Widerstand auseinander. Mira M. Yang (*1993) greift die Geschichte von Shim Cheong auf – einer Figur des koreanischen Pansori, einer im 17. Jahrhundert im Kontext schamanischer Praktiken entstandenen Tradition des gesungenen Erzählens. Yang verwebt Erzählungen der Vorfahren mit Erinnerungen an ihre eigene Mutter und untersucht familiäre Überlieferungen, Vertreibungserfahrungen und die mit dem Exil verbundenen Konstruktionen von Erinnerung.
Indem die Ausstellung unterschiedliche Erfahrungen von Sprache, Exil und Erinnerung in einen Dialog bringt, schafft sie einen Reflexionsraum dafür, wie Worte, Bilder und Körper zur Entstehung neuer Formen von Aufmerksamkeit, Zusammenleben und bisweilen auch Widerstand beitragen. Durch Sprache versuchen Individuen, die Welt zu deuten, Regeln aufzustellen und zu kommunizieren. Sie ermöglicht und reguliert das soziale Dasein, vermittelt Werte und erfordert ständige Übersetzung. Wenn Sprache nicht mehr als Fundament dient und gemeinsame Werte verloren gehen – auch wenn wir weiterhin glauben, sie biete einen konkreten Orientierungspunkt –, wo könnten dann neue Formen der Nähe und neue Bedeutungen entstehen?
Der Ausstellungszyklus beginnt im Sommer 2026 im CAP • Saint-Fons, gefolgt von der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen im Herbst 2026 und schließlich Le 19, Crac Montbéliard im Frühjahr 2027.
Kuratiert von Annette Hans, Adeline Lépine und Alessandra Prandin
Förderung
Im Rahmen des PERSPEKTIVE-Fonds für zeitgenössische Kunst & Architektur, eine Initiative des Büros für Bildende Kunst des Institut français Deutschland. Gefördert durch das französische Kulturministerium, das Institut français de Paris und das Goethe Institut.
Förderung GAK Bremen: Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Beate + Hartmut Schaefers Stiftung, Partnerschaften für Demokratie in Bremen, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben, Sparkasse Bremen, Senator für Kultur der Freien und Hansestadt Bremen