[Das Dazwischen verorten]
Eine künstlerische Intervention entlang des linken Weserufers
im Rahmen von Recurrencies draußen
Vom 11. bis 13. September lädt [Das Dazwischen verorten] zu einer Intervention entlang des linken Weserufers, welches in den kommenden Jahren aufgrund neuer Hochwasseranforderungen grundlegend neugestaltet wird. Mit u. a. Installationen, Fotografien, Soundarbeiten, Spaziergängen und Performances verhandeln sieben Künstler:innen die Strecke zwischen Wilhelm-Kaisen-Brücke und Stephanibrücke als Ort des Übergangs.
Für die einen ist es der tägliche Weg zur Arbeit, oder zur Entspannung an den Werdersee; für Brauereien und Fabriken seit Jahrhunderten Ort der Produktion, Anlieferung und Verschiffung von Waren; für die Platanen und Vögel umkämpfter Lebensraum – der Stadtraum entlang des linken Weserufers ist geprägt von vielen unterschiedlichen Präsenzen. Aufgrund steigender Wasserspiegel und neuer Anforderungen an den Hochwasserschutz wird sich der Stadtstrecke genannte Deichabschnitt zwischen Piepe und Stephanibrücke in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Bevor 2028 die Umbauten beginnen werden, lädt [Das Dazwischen verorten] vom 11. bis 13. September zu einer künstlerischen Ortsbegehung zwischen Stephanibrücke und Wilhelm-Kaisen-Brücke ein. Sieben Künstler:innen aus Bremen und darüber hinaus kommentieren und markieren den Ort mit temporären Skulpturen, Malereien, Fotografien und Soundarbeiten. Sie richten den Blick auf das, was schon (und noch) da ist, verhandeln Zustände des Überganges oder imaginieren Zukunftsszenarien. Neben Werken, die das ganze Wochenende über zu sehen sind, gibt es ein Programm mit Spaziergängen, Performances und Aktivierungen.
Amy Balkins textbasierte Arbeit lädt dazu ein, die Strecke bewusst entlangzuspazieren, ihre Beschaffenheit zu beobachten, zu sammeln und weiterzutragen. Welche Momente der Bedrohung und des Widerspruchs zeichnen sich darin sowohl in der Gegenwart als auch der Zukunft ab? In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Amy Balkin mit gesellschaftlichen Einschreibungen in öffentliche Räume und Landschaften.
Mit Felisha Carénage begeben wir uns auf einen Sound-Spaziergang entlang der Strecke. Ausgehend von Field-Recordings, aufgenommen in Trinidad, wo sich die Bauweise von Gebäuden an Regen- und Trockenzeiten angepasst hat, entwirft Carénages Arbeit zukünftige Szenarien am Weserufer.
eghbal joudi setzt sich in seiner malerischen Praxis mit der Zeitlichkeit, dem Verschwinden und Überlagern von (medialen) Bildern auseinander. Auf den Steinen des Weserufers bearbeitet das Wasser seine Malerei. Je nach Tidenstand zeigen sich verschiedene Bildausschnitte, einige Details waschen sich aus, während andere erhalten bleiben.
Zhenru Liang arbeitet oft in ortsspezifischen Installationen, die temporäre, kollektive Beziehungen und Zeitlichkeiten mitdenken. Die Strecke entlang der Weser markiert sie als Ort der Transformation: mit Kreide aufgebrachte Symbole deuten darauf hin, dass sich hier etwas verändern wird. Während in städtebauliche Markierungen normalerweise klare Handlungsanweisungen eingeschrieben sind, dienen Liangs Symbole zum Spekulieren darüber, was genau verschwindet oder erweitert wird.
In einer Soundarbeit sowie Fotografien verschränkt Angela Lieber die Transformation des Ortes mit körperlichen Veränderungsprozessen. Lieber arbeitet regelmäßig u. a. mit Text, Sound und Performance, um sich affektiven Zuständen wie Erinnerung, Sehnsucht und Verlangen anzunähern.
Bubu Mosiashvilis Skulpturen erinnern an Informationstafeln in Botanischen Gärten. Sie nehmen Bezug auf die Riesenbärenklauen, die sich entlang des Ufers angesiedelt haben. In Deutschland zählen diese zu den invasiven Pflanzenarten. Mosiashvili fragt nach ihrer Geschichte als kolonialbotanische Zierpflanze sowie Gegenwart als kriminalisierte Neophyte – in einer Umgebung, die geprägt ist von kolonialer Geschichte.
Julija Paškevičiūtė schafft landschaftsähnliche Installationen, die temporäre Gemeinschaft und gegenseitige Wertschätzung thematisieren. In der unmittelbaren Nachbarschaft der ansässigen Brauereien formt sie kleine Objekte aus Biertreber, einem Nebenprodukt der Bierproduktion und lädt in zwei Aktivierungen dazu ein, materielle Transformation und Nachhaltigkeit gemeinsam zu reflektieren.
Während Bau- und Gestaltungsvorhaben wie die Stadtstrecke tatsächlich funktionale Anforderungen und Sachzwänge einhalten müssen, denkt [Das Dazwischen verorten] im Entwurfsstadium. In modellhaften Formaten und der temporären Präsenz von Objekten, Körpern und Bildern wollen wir den Blick in den öffentlichen Raum hinein schärfen und daran anknüpfend über Möglichkeiten von Transformation und Bewohner:innenschaft nachdenken.
Kuratiert von Maxie Kiwitter
Ausstellungsdauer
Freitag, 11. September, 16:00 – Sonntag, 13. September, 20:00
Veranstaltungen
Fr, 11.9.
19:00 Eröffnung
19:15 Spaziergang mit Felisha Carénage
Sa, 12.9.
14:00 Sich kümmern um … mit Julija Paškevičiūtė
15:00 Performance von Zhenru Liang
So 13.9.
13:00 Sich kümmern um … mit Julija Paškevičiūtė
14:00 Performance von Zhenru Liang
17:00 Gemeinsamer Spaziergang
Förderung
Der Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen; Beirat Neustadt, Freie Hansestadt Bremen; Bremische Volksbank Stiftung