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  • Plakat Gedächtnislücken #revisited (Detail)

Gedächtnislücken #revisited. Ein temporäres Denkmal zu den Lücken der Aufklärung im NSU Komplex

Nina Kalenbach und Katharina Kohl

29.08.–29.11.2026

Am 29.08.2001, vor 25 Jahren, wurde Habil Kılıç in München, in unmittelbarer Nähe einer Polizeistation durch zwei Kopfschüsse vom rechtsextremen NSU ermordet. In Erinnerung an Habil Kılıç sowie Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter und an alle weiteren Opfer rechter Gewalt ist das Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt Gedächtnislücken #revisited. Ein temporäres Denkmal zu den Lücken der Aufklärung im NSU-Komplex von Katharina Kohl und Nina Kalenbach entstanden, das wir ab heute in unseren 13 Posterrahmen im Außenraum sowie innerhalb der nächsten Wochen an weiteren Stellen im Stadtraum Bremens zeigen.

Ausgangspunkt des Projekts ist Katharina Kohls 40 Blatt umfassende Grafikserie Gedächtnislücken. Im Laser- und Pochoirdruck hat sie Protokollseiten des ersten Untersuchungsausschusses zum NSU des Deutschen Bundestages bis auf diejenigen Stellen geschwärzt, in denen Sätze und Fragmente, wie „Und dass es mir nicht erinnerlich ist, deutet in die Richtung, dass es auch nicht stattgefunden hat.“,„… kann ich nicht mehr sagen,“ „– Jetzt habe ich ein bisschen den Faden verloren.“ und „Soweit ich weiß, wussten wir nichts“ dokumentiert sind.
Die Protokolle dieses 2012 eingesetzten Untersuchungsausschuss sind online öffentlich zugänglich archiviert, sodass sich anhand von Legislaturperiode, Datum und Seitenzahl die jeweiligen Zeilen auch im Kontext der Zeugenaussagen nachlesen lassen.

Als dichtes Gefüge aus Plakaten und Videoanzeigen auf Litfaßsäulen, Präsentationen in Printmedien und Social Media, der Website gedaechtnis-luecken.de sowie in Form von Gesprächsformaten wurde das Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt zuerst im Sommer dieses Jahres in Hamburg umgesetzt. Gedächtnislücken #revisited bringt institutionelles und individuelles Nicht-Erinnern an Orte des öffentlichen Gesprächs, um den Opfern ein Denkmal zu setzen, das sich der Statik eines gehärteten kollektiven Gedächtnisses entzieht. Stattdessen ruft es im Verweis auf die Lücke und die strukturellen Widersprüche der Inneren Sicherheit Fragen auf und stößt das Nachdenken und öffentliche Sprechen über den – trotz Ermittlungen, Befragungen, Prozessen und Protokollen – unaufgelösten NSU-Komplex an. Zugleich fragt das Denkmal-Projekt in seiner temporären Natur nach den Möglichkeiten öffentlichen Erinnerns und den Problemen gesellschaftlichen Nicht-Erinnerns.

Wie können Erinnerung und ein Denkmal übertragen, übersetzt und befragt werden und sich an unterschiedlichen, aber durch den Komplex verbundenen Orten öffentlich zeigen? Die Orte sind nicht nur diejenigen, an denen der NSU gemordet hat, sondern auch die, an denen Vorfälle stattfinden, die mit diesen Gedächtnislücken auf die eine oder andere Weise zusammenhängen. Erinnerung ist entsprechend der Gedächtnislücken #revisited kein singuläres Ereignis, sondern eine Verknüpfung und gemeinsame Auseinandersetzung, zu der wir auch in Bremen einladen.

Im Laufe des Projektaufenthalts in Bremen wird es ein Gespräch mit den Projektinitiatorinnen geben, um öffentlich miteinander in Austausch zu kommen. Der genaue Termin wird in Kürze bekannt gegeben.

Die Künstlerin Katharina Kohl war im Jahr 2025 Stipendiatin des Hamburger Arbeitsstipendiums Bildende Kunst, aktuell ist sie Stipendiatin der Stiftung Kunstfonds (2026) und hat sich intensiv künstlerisch zu der Frage nach der Inneren Sicherheit im Zusammenhang mit dem NSU-Komplex befasst (u. a.in den Werkserien Personalbefragung (2012–2018) und Gedächtnislücken (2017–2018)). Mit DG. Reiß betreibt Katharina Kohl seit 2005 das mobile Projekt Kunst-Imbiss im Hamburger Stadtraum.

Nina Kalenbach ist Kuratorin, Autorin und in der Kunstförderung tätig. Als Kunsthistorikerin interessiert sie sich seit 2003 für die Themen Kunst und Öffentlichkeit, Stadtentwicklung, Erinnerungskultur sowie neuere Denkzeichen und partizipative Kunstformen. Sie arbeitete u. a. für Clegg & Guttmanns Monument of Monuments indoor and outdoor discussions around the Open Debate Station, 2011 sowie Dirck Möllmanns Hamburg Maschine, Stadtkuratorin Hamburg, 2019.

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29.08.–29.11.2026

In den Posterrahmen im Außenraum der GAK sowie innerhalb der nächsten Wochen an weiteren Stellen im Stadtraum Bremens.

 

Das Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt Gedächtnislücken #revisited. Ein temporäres Denkmal zu den Lücken der Aufklärung im NSU-Komplex wird gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Kultur und Medien sowie die Liebelt-Stiftung, Hamburg.

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